EvangelischeEv. Kirche in Ennepetal, Gevelsberg, Haßlinghausen, und Schwelm

Zwischen Reformen und Abschieden: Kreissynode Schwelm stellt Weichen für 2026

2. Sitzung der 119. Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Schwelm fand in Voerde statt.

Text: Daniel Jung

Fotos: Harald Bertermann

Die Synode des Kirchenkreises Schwelm tagte im Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde Voerde in Ennepetal.

Superintendent Andreas Schulte leitete die Synodentagung.

Mit einer dialogischen Andacht von Pfarrer Thomas Weber und Krankenhausseelsorger Dirk Küsgen hat am Freitag die 2. Sitzung der 119. Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Schwelm begonnen. Beide leiteten nicht nur spirituell in die Beratungen ein – später sollte Küsgen als einer von drei langjährigen Mitarbeitenden verabschiedet werden. Die Synode im Gemeindezentrum Voerde verband damit finanzielle Entscheidungen, strukturelle Weichenstellungen und persönliche Abschiede zu einem dichten Bild kirchlichen Lebens in der Region.

   

Finanzen: stabile Perspektive trotz Fehlbeträgen

Der 1. Vorsitzende des kreiskirchlichen Finanzausschusses, Erwin Weller, legte den Haushalt 2026 für Finanzausgleichskasse (FAK) und Kreissynodalkasse (KSK) vor. Trotz Fehlbeträgen, die aus Rücklagen ausgeglichen werden, bewertete er die Planungen als „solide und genehmigungsfähig“. Eine Mehrzuweisung der Landeskirche aus dem Vorjahr habe die Lage etwas entspannt. Strukturelle Einsparungen zeigten Wirkung, gleichzeitig blieben Kostensteigerungen und sinkende Kirchensteuern eine Herausforderung.

Die Synodalen folgten der Empfehlung des Finanzausschusses und beschlossen beide Haushalte einstimmig. Damit setzen sie ein Signal der Verlässlichkeit für Gemeinden, Beratungsstelle und Seelsorge in Schwelm, Ennepetal, Gevelsberg und Sprockhövel.

   

Zukunft des Kirchenkreises: Zusammenarbeit als Schlüssel

Superintendent Andreas Schulte richtete anschließend den Blick auf die strukturellen Fragen. Die Kirchen erlebten tiefgreifende Veränderungen, betonte er – weniger Mitglieder, weniger Personal, weniger Mittel. „Entscheidend ist, dass wir die Arbeit vor Ort sichern“, sagte er.

Der Strukturausschuss des Kirchenkreises schlägt vor, fünf Arbeitsbereiche künftig stärker gemeindeübergreifend zu organisieren: Kinder- und Jugendarbeit, Pfarrstellen, Kirchenmusik, Gebäudemanagement und Verwaltung. Im Frühjahr 2026 sollen erste konkrete Konzepte folgen. Parallel prüft der Kirchenkreis gemeinsam mit den Kirchenkreisen Hattingen-Witten und Hagen im Gestaltungsraum IV die Möglichkeit einer Vereinigung.

Schulte betonte, beide Wege – Stärkung der Zusammenarbeit im eigenen Kirchenkreis und Prüfung einer möglichen Fusion – seien „kein Widerspruch, sondern zwei Prozesse, die uns Klarheit verschaffen werden“.

Die Synode folgte dieser Einschätzung und beschloss, den eingeschlagenen Kurs fortzuführen.

    

Abschiede, die die Entwicklung der Kirche spiegeln

Wie sehr die gegenwärtigen Umbrüche auch biografisch spürbar sind, zeigte sich in den Verabschiedungen, die sich organisch an die inhaltlichen Diskussionen anschlossen.

Anke Lublewski-Zienau, langjährige Seelsorgerin in der Klinik Königsfeld, blickte mit feinem Humor auf ihre berufliche Laufbahn zurück. Sie sprach davon, dass nun ihr „langer Probedienst“ ende – ein Augenzwinkern darauf, dass sie ihr gesamtes Berufsleben der Klinikseelsorge gewidmet und nie eine klassische Gemeindestelle angetreten hat. Ihre Worte machten deutlich, wie sehr Seelsorge Menschen über Jahre begleitet und wie prägend diese Arbeit für den Kirchenkreis war.

Dirk Küsgen, der die Eröffnungsandacht mitgestaltet hatte, zeigte sich beim Abschied sichtlich bewegt. Die Synode und die Arbeit im Kirchenkreis hätten ihm „sehr viel bedeutet“, sagte der Krankenhausseelsorger, der im Februar in den Ruhestand geht. Sein Dank verband sich hörbar mit einem tiefen Zugehörigkeitsgefühl.

Harry Bertermann, seit zwei Jahrzehnten Öffentlichkeitsreferent des Kirchenkreises und vielfach die kommunikative Stimme der Region, verabschiedete sich mit einem warmen, humorvollen Rückblick. „Kommunikation war schon immer meins“, erzählte er – und zitierte eine Anekdote aus seiner Schulzeit: Seine Grundschullehrerin habe einst gesagt, er brauche nur noch „eine Tasse Kaffee, und dann ist der Kaffeeklatsch fertig“. Lachen und Dankbarkeit hielten sich die Waage.

    

Ein Tag zwischen Zahlen, Zukunft und Zugehörigkeit

Die Synode spannte damit einen Bogen von finanziellen Grundlagen über strukturelle Entscheidungen bis hin zu persönlichen Geschichten. Die Haushaltsbeschlüsse schaffen Planungssicherheit, der Reformkurs trägt dem Wandel Rechnung – und die Verabschiedungen erinnerten daran, dass die Kirche im Ennepe-Ruhr-Kreis vor allem von Menschen lebt, die sie mit Herz, Humor und Hingabe getragen haben.