Mir ging das vor ein paar Tagen so. Ich stand morgens an der Kaffeemaschine, noch halb müde, wartete auf den ersten Kaffee des Tages. Während die Maschine ratterte, dachte ich plötzlich darüber nach, wie selbstverständlich das alles geworden ist.
Die Bohnen. Irgendwo gewachsen. Von Menschen geerntet. Verpackt. Transportiert. Ins Regal gestellt. Wasser aus der Leitung. Strom aus der Steckdose. Eine Tasse in meiner Hand.
Und ich stehe da und tue so, als wäre das alles normal.
Vielleicht kennen Sie solche Momente. Diese kurzen Sekunden, in denen der Alltag plötzlich durchsichtig wird. Und darunter liegt etwas anderes: Staunen. Dankbarkeit. Vielleicht sogar etwas Heiliges.
Nicht die große, spektakuläre Art von Heiligkeit. Keine Engel. Keine Blitze vom Himmel. Sondern diese leise Art. Die Heiligkeit eines gedeckten Frühstückstisches. Einer Nachricht mit der Frage: „Wie geht es dir eigentlich wirklich?“ Eines gemeinsamen Essens. Eines Menschen, der zuhört.
Wir leben in einer Zeit, in der wir oft denken, das Eigentliche müsse woanders passieren: im nächsten Urlaub, im perfekten Moment oder in einer besonderen spirituellen Erfahrung. Und währenddessen rauscht das echte Leben an uns vorbei.
Jesus scheint das gewusst zu haben. Denn wenn man die Evangelien liest, besteht sein Leben erstaunlich oft aus Alltag. Er sitzt mit Menschen am Tisch, läuft staubige Straßen entlang, hört zu, teilt Mahlzeiten.
Vielleicht liegt genau darin etwas Tiefes: Dass Gott sich nicht nur in Ausnahmezuständen zeigt, sondern mitten im Gewöhnlichen.
Der Franziskanerpater Richard Rohr schreibt: „Die einfachsten Dinge sind oft die wahrsten.“
Vielleicht ist Glauben manchmal genau das: langsamer zu werden und neu wahrzunehmen, dass dieses Leben heiliger ist, als wir denken.
