Danke an die Taubenväter!
Seit vielen Jahren unterstützen die Taubenväter Gevelsberg (Menschen helfen Menschen e.V.) unsere “Stiftung für Ausbildung in Papua”. Im Rahmen einer Spendengala wurde am 12. Dezember 2025 ein symbolischer Spendenscheck übergeben. Wir bedanken uns im Namen der durch die Stiftung geförderten Schüler und Studenten in unseren Partnerkirchenkreisen in West-Papua ganz herzlich. Tolle Arbeit!!!!!!
Natan Pahabol zum Leiter der Bibelschule berufen
Wir haben im November 2025 von Friedrich Tometten gute Nachrichten erhalten:
Am vergangenen Dienstag hatte Natan Pahabol die Kirchenleitung der GKI, die Leitungen der mit uns verbundenen Kirchenkreise und Vertretungen der Bezirksregierungen im Yali-Gebiet zu einer Sitzung eingeladen. Da ich zur Zeit wieder in Indonesien unterwegs bin, konnte ich an der Sitzung teilnehmen. Natan ist es tatsächlich gelungen, der GKI die Beauftragung zur Bildung eines Leitungsstabs der Bibelschule abzuringen. In einem amtlichen Schreiben wird er gebeten, gemeinsam mit einem von ihm selbst benannten, insgesamt fünfköpfigen Leitungsteam die Bibelschule in Apahapsili wieder zu eröffnen. Die Kirchenkreise haben ihre volle Unterstützung zugesichert.
Natan wird mit der Renovierung der Bibelschule beginnen, wofür er bis zu 6 Monate einplant. Anfang dieser Woche trifft er sich mit der Kirchenleitung, um die Ausfertigung der Dienstanweisungen für die Mitglieder des Leitungsgremiums zu regeln. Für die Finanzierung der Renovierung und auch die dann hoffentlich bereits Mitte des kommenden Jahres beginnende Kursarbeit erwartet er die Beteiligung der Kirchenkreise, die Unterstützung der lokalen Regierungen und die Unterstützung der VEM, sicher auch die der Stiftung. Er plant ein ganzheitliches Bildungskonzept für die Bibelschule zu entwickeln, bei dem neben der Zurüstung für die spezifischen Anforderungen im Gemeindedienst Kompetenzen für die allgemeine Bildungsarbeit, für die Gesundheitsarbeit und für dörfliche Entwicklung insgesamt vermittelt werden sollen.
Damit hat die GKI nun doch endlich die einzig realistische Chance ergriffen, die Bibelschule wieder in Gang zu setzen, die sich allein dadurch ergeben hat, dass Natan aufgrund der manipulierten Wahlen zum Gouverneursamt aus der Politik ausgeschieden ist und augenblicklich keine andere Beschäftigung mehr hat. Für die komplexen Anforderungen der Bibelschulleitung, für die die Kirchenleitung seit fast dreißig Jahren keine Leitung rekrutieren konnte, ist Natan aufgrund seiner persönlichen Motivation, seiner hohen sozialen Kompetenzen und vielseitigen Erfahrungen in Kirche und Politik augenblicklich sicherlich die bestmögliche Besetzung, vielleicht auch die einzig mögliche.
Die Bedeutung der Evangelisten, die einzig an der Bibelschule für ihren anspruchsvollen Dienst ausgebildet werden können, ist nicht zu unterschätzen. Inzwischen sind wegen der angespannten Sicherheitslage im Hochland nicht nur im Kirchenkreis Yalimo Angguruk, sondern auch im Kirchenkreis Yalimo Elelim sämtliche Vikare und Pfarrer aus ihren Gemeinden abgezogen worden. Etliche Gemeinden sind seit einigen Jahren bereits nicht mehr regelmäßig versorgt, was i.d.R. zum Erliegen aller Aktivitäten im Dorf inclusive Bildungsarbeit und Gesundheitsversorgung und schließlich zur Auflösung von ganzen Dörfern führt.
Besuch aus West-Papua beim Gemeindefest in Schwelm am 27. September
Am Samstag, dem 27. September 2025 feiert die Ev. Kirchengemeinde Schwelm ihr Gemeindefest am und um das Petrus-Gemeindehaus ab 14 Uhr. Überraschend hat sich ergeben, dass die Gemeinde einen Gast aus Westpapua begrüßen kann. Der Theologie-Student Atinus Sahe wird am Gemeindefest teilnehmen. Von 16 bis 17 Uhr steht er im Petrus-Gemeindehaus zum Gespräch zur Verfügung und wird auch von sich selbst und über die Situation in Papua berichten.
Brief eines Stipendiaten - Dison Salak
Wir haben einen sehr berührenden Brief von Dison Salak, einem Stipendiaten der Stiftung für Ausbildung in Papua erhalten, der sehr eindrücklich die schwierigen Lebensumstände schildert:
Ich bin Dison Salak, der Sohn von:
Vater - Sirik Salak & Mutter – Sarlota Suhuniap.
Beide verstarben, als ich noch nicht in der Grundschule war. Meine Eltern waren Älteste (Presbyter) in einer Kirche, die noch ein Grasdach hatte.
In unserer Familie gab es 4 Geschwister: zwei Jungen und zwei Mädchen. Sie waren alle Bauern und lebten in einem Dorf ohne elektrisches Licht und ohne Internet in einem traditionellen Haus, einer Rundhütte, die auch ein Grasdach hatte.
In meiner Familie bin ich das jüngste Kind. Ich bin bei meinem ältesten Bruder aufgewachsen. Als ich etwa 18 Jahre alt war, habe ich mich entschlossen, meine Frau Herelina Pahabol zu heiraten. Zu dieser Zeit ging ich nicht zur Schule, da niemand meine Ausbildung finanzieren konnte. (Ich war noch Analphabet.) Obwohl ich noch Analphabet war, nahm ich mir jeden Sonntag Zeit, um die Kinder im Kindergottesdienst mit biblischen Geschichten und geistlichen Liedern zu unterrichten, die ich von einem Evangelisten auswendig gelernt hatte.
Aber nach und nach versuchte ich, die Buchstaben in der Yali-Sprache kennenzulernen. Mein einziges Lehrbuch war die Bibel, die von Pastor Dr. S. Zollner übersetzt und aufgeschrieben worden war. Fast jeden Tag las ich in der Bibel, und schließlich lernte ich nach und nach die Buchstaben, Wörter und Sätze kennen und konnte schließlich die Bibel lesen. Als ich lesen konnte, hatte ich den Wunsch, in die Grundschule zu gehen, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Jahre alt war und meine Frau mit unserem ersten Kind schwanger war. Als ich zum ersten Mal zur Schule kam, waren die Lehrer sehr überrascht und fragten mich: „Warum kommt der Sonntagsschullehrer hierher?“ Ich antwortete: „Ich möchte in die Grundschule gehen.“ Der Lehrer holte kurz Luft und antwortete dann: Gut, wir nehmen dich auf. Nachdem die Lehrer meine Lesefähigkeiten getestet und mein Alter berücksichtigt hatten, durfte ich in die 3. Klasse der Grundschule eintreten. Zu dieser Zeit war ich groß und hatte einen Bart, darum saß ich hinter den 6- bis 12-jährigen Kindern. Nach einem Jahr in der 3. Klasse durfte ich in die 6. Klasse aufsteigen, So konnte ich an der staatlichen Abschlussprüfung teilnehmen, die ich bestand, obwohl ich nur zwei Jahre die Grundschule besucht hatte. Danach besuchte ich die Mittelschule (SMP). Diese Schule befand sich in meinem Dorf, sodass ich neben der Schule auch meine Familie versorgte, da ich bereits ein Kind hatte. Sonntags unterrichtete ich fleißig die Kinder in der Sonntagsschule (Kindergottesdienst).
Nachdem ich die Mittelschule nach drei Jahren abgeschlossen hatte, schickte mich die Gemeindeversammlung meiner Gemeinde (Wali) in die Stadt Manokwari, die ziemlich weit von meinem Dorf entfernt liegt. Ich sollte dort die kirchliche Ausbildung zum Gemeindelehrer (Laienprediger) absolvieren. Meine Heimatgemeinde Wali verpflichtete sich, mein Studium zu finanzieren, und so verließ ich 2010 meine Frau und mein Kind und studierte bis 2014 an der Gemeindelehrerschule in Manokwari. Ich lebte vier Jahre lang in Manokwari, ohne Urlaub oder Besuche bei meiner Familie und der Gemeinde, die mich entsandt hatte. Der Grund dafür war, dass ich mir keinen Urlaub leisten konnte.
Nach meinem Abschluss erhielt ich meine erste Aufgabe als Gemeindelehrer der GKI Angkasa Mulyono in Manokwari. Ich arbeitete in dieser Gemeinde ohne meine Frau und mein Kind. Das bedeutete, dass ich fünf Jahre lang ohne meine Frau und mein Kind lebte.
Nachdem ich in dieser Gemeinde ein Jahr lang gelebt hatte, wurde ich zur GKI Maranatha Muabaga in Wamena im Kirchenkreis Baliem Yalimo versetzt. Ich arbeitete in dieser Gemeinde zwei Jahre lang und konnte jetzt wieder mit meiner Frau und meinem Kind zusammen leben.
Anschließend wurde ich von der Kirchenleitung in die Gemeinde GKI Efrata Kurulu versetzt. Ich blieb in dieser Gemeinde vier Jahre lang. Danach wurde ich erneut versetzt, diesmal in die Gemeinde GKI Efesus Tomisa. Ich blieb dieser Gemeinde drei Jahre lang, von 2017 bis 2020.
Die Gemeinden, in denen ich gearbeitet habe, waren Gemeinden, die weit außerhalb der Stadt oder am Stadtrand lagen und von Pastoren selten besucht wurden. Ich wurde in diese Gemeinden versetzt, weil ich die lokale Sprache beherrschte und immer die Bibel in der lokalen Sprache benutzte und sogar die lokalen Kirchenlieder mit der Gemeinde gesungen habe.
Nachdem ich sieben Jahre lang in diesen Gemeinden gedient habe, habe ich nun die Initiative ergriffen, meine theologische Ausbildung an der Theologische Hochschule der GKI-TP in Jayapura fortzusetzen. Ich habe 2022 mein Studium an dieser Schule begonnen und werde 2026 meinen Abschluss machen. Das bedeutet, dass ich Pastor werden möchte, um weiterhin in meiner Kirche zu arbeiten.
Derzeit studiere ich im siebten Semester. Ich lebe mit meiner Frau und meinen Kindern zusammen. Ich habe drei Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen. Außerdem habe ich ein Mädchen adoptiert, das von seinen Eltern verlassen wurde. Unsere Adoptivtochter heißt Yesli Suhuniap und ist zehn Jahre alt. Wir leben in einem gemieteten Haus, für das ich jeden Monat Miete an den Vermieter zahlen muss.
Zum Abschluss meiner Lebensgeschichte:
1. Ich bin eigentlich ein Dorfbewohner, der ohne Schulbildung aufgewachsen ist, um weiterhin im Dorf zu leben, aber
2. Gott hat mich von einem Blinden zu einem Sehenden gemacht (von einem Analphabeten zu einem Lesenden).
3. Ich bleibe meinem Glauben treu, um weiterhin Gottes Volk zu dienen, das Hilfe benötigt.
4. Ich bedanke mich herzlich dafür, dass mein Name in die Liste der Stipendiaten des Kirchenkreises Schwelm aufgenommen wurde.
5. Ich habe gehört, dass eine Frau aus der Gemeinde Schwelm mir helfen möchte, mein Studium abzuschließen. Ich habe diese Nachricht von Herrn Pfarrer Dr. S. Zollner gehört und bin sehr glücklich darüber. Die Frau kennt mich noch nicht, aber sie glaubt an mich und hilft mir. Ich glaube, dass dies ein Werk ist, das vom Heiligen Geist bewegt wird.
Ich möchte mich bei dem Kirchenkreis Schwelm in Deutschland und allen Gemeindemitgliedern dort bedanken, die uns bisher mit dem Schwelm-Stipendium unterstützt haben. Ich und meine Familie bedanken sich herzlich bei allen Mitgliedern der Gemeinde Schwelm, die mir im zweiten Semester des Jahres 2025 mit dem Schwelm-Stipendium geholfen haben, sodass ich mich sehr unterstützt und geholfen fühle. Möge Gott, die Quelle aller unserer Hoffnung, die Gemeindemitglieder in Deutschland stets mit seiner Weisheit segnen.
Ich erinnere mich auch an Pastor Dr. S. Zollner und Großmutter Ilse Zollner als unsere ersten Missionare beim Stamm der Yali. Möge Gott ihnen ein langes Leben schenken, der große Gott, hat uns mit seiner Gnade gesegnet. Amen!
Mit freundlichen Grüßen von unserer Familie:
1. Gemeindelehrer Dison Salak (Familienoberhaupt)
2. Herelina Pahabol (Ehefrau/Mama)
3. Adi Salak (ältestes Kind)
4. Agapestina Salak (zweites Kind)
5. Abdon Salak (drittes Kind)
6. Yesli Suhuniap (Adoptivkind)
Jayapura, 30. Juni 2025 Dison Salak (Doulos Adonay)
Nachrichten aus West-Papua April 2024
Was passiert eigentlich in unseren Partnerkirchenkreisen in West-Papua?
Videos aus Papua
Wir haben von mehreren Personen Dank für die Arbeit unserer „Stiftung für Ausbildung in Papua“ erhalten: Heribertus Itlay, ein Vertreter der Partnerschaftsstipendiaten im Kirchenkreis Baliem Yalimo und Maria Ibo, eine Hilfslehrerin aus Trimuris am Mamberamo bedanken sich bei den deutschen Partnern aus dem Kirchenkreis Schwelm für finanzielle Unterstützung für Studiengebühren, Unterrichtsmaterialien und Benzin für die Alphabetisierungsarbeit in abgelegenen Dörfern. Sie erbitten Jesus Segen für uns.
Es ist schön, dass wir solche Rückmeldungen aus Papua erhalten. Dies ist auch der Tatsache zu verdanken, dass neuerdings die verschiedenen Partner-Kirchenkreise in Papua mehr Verantwortung für Auswahl und Betreuung ihrer Stipendiaten übernommen haben.
Partnerschaftssonntag am 02. Februar 2025
Am ersten Sonntag im Februar haben wir unseren jährlichen Partnerschaftsgottesdienst gefeiert. Dazu wurden im Vorfeld mit Papua Gebetsanliegen ausgetauscht. Wir haben in diesem Jahr am 02. Februar die Anliegen unserer papuanischen Partnergemeinden in die Fürbitten aufgenommen, während in Papua für unsere Anliegen gebetet wurde – eine schöne, weltumspannende, verbindende Tradition!
Gouverneurswahlen in der Provinz Papua Pegunungan (Bergland Papua)
Nach der Aufteilung Westpapuas in sechs Provinzen mussten in allen Provinzen im November 2024 neue Gouverneure und ihre Stellvertreter gewählt werden. In der Provinz Papua Pegunungan, in der einige unserer Partnerkirchenkreise liegen, stellte sich u.a. unser Partnerschaftskoordinator Natan Pahabol gemeinsam mit Befa Yigibalom zur Wahl. Nach der Auszählung der Stimmen in sieben Landkreisen lag das Paar Befa/Natan deutlich vor den Mitbewerbern. Im achten erreichten diese aber 100% der Stimmen. Dieser unverhältnismäßig hohe Stimmenzuwachs veranlasste das Paar Befa/Natan, Beschwerde beim Verfassungsgericht einzulegen. Das Gericht ließ die Klage zu, entschied aber im Februar 2025 gegen die Kläger. Wir haben Natan Pahabol unsere Anerkennung für sein politisches Engagement und seine verantwortungsvolle Art des Umgangs mit der Niederlage ausgesprochen. Als stellvertretender Gouverneur hätte er sicher einiges zur Verbesserung des Bildungsbereichs tun können.
Überfall auf die Schule in Angguruk
Vor wenigen Tagen erreichte uns noch die traurige Nachricht dass am Freitag, dem 21.März, die Grundschule in Angguruk, der Gemeinde, in der Pfarrer Zöllner als Missionar tätig war, überfallen wurde. Eine Lehrerin wurde getötet, weitere 5 LehrerInnen und ein Gesundheitshelfer wurden zum Teil schwer verletzt. Zwei Lehrerhäuser wurden abgebrannt, die Schule beschädigt.
Die Verletzten wurden nach Jayapura gebracht, die restlichen Lehrer nach Wamena evakuiert, wo sich die dortige Gemeinde um sie kümmert.
Vor ziemlich genau einem Jahr waren wir dort und haben auch mit den Lehrern gesprochen. Es handelt sich in de Mehrzahl um sogenannte Vertragslehrer, die aus anderen Teilen Indonesiens in die Gegenden Papuas entsandt werden, in denen es nicht genug Lehrer gibt.
Inzwischen gibt es Indizien, dass es sich bei den Tätern um Angehörige der Widerstandsbewegung TPNPB-OPM handelt, die die Vertragslehrer und Gesundheitshelfer beschuldigen, Mitarbeiter des indonesischen Geheimdienstes bzw. Militärs zu sein. Angguruk selbst war seit über 60 Jahren friedlich, so haben wir das letztes Jahr bei unserem Besuch dort auch erlebt. Die Täter kamen von außerhalb.
Letztlich leiden auch wieder die Kinder darunter. Es war in der Vergangenheit schon schwierig, Lehrer zu finden, die bereit sind, in abgelegene Dörfer zu gehen, daher ist oft monatelang der Unterricht ausgefallen. Die Dauer des Schulbesuchs ist dort mit unter 4 Jahren die niedrigste in ganz Papua. Wenn LehrerInnen jetzt auch noch um ihr Leben fürchten müssen, wird niemand mehr dorthin wollen. Das ist ein trauriger Rückschlag für die Entwicklung in West-Papua. Die Stiftung für Ausbildung in Papua unseres Kirchenkreises Schwelm wird voraussichtlich das Hilfslehrerprogramm intensivieren, um zumindest eine Basisversorgung zu ermöglichen.
Siegfried Zöllner / Eva Frigge
Besuchsreise nach Papua im April 2024
Vom 5.-21. April 2024 haben wir, Eva und Christoph Frigge sowie Petra Soika-Bracht und Thomas Bracht, unsere Partnergemeinden und Kirchenkreise in der GKI-TP (Gereja Kristen Injili Di Tanah Papua) besucht. Die Partnerschaft des Kirchenkreises Schwelm mit West-Papua geht zurück auf die langjährigen Aufenthalte von Siegfried Zöllner und Klaus Reuter, die danach beide Pfarrer in Schwelm gewesen sind, als Missionare in den 60er und 70er Jahren im Hochland von West-Papua. Mittlerweile gibt es durch Aufspaltungen in West-Papua sechs Partnerkirchenkreise: Baliem Yalimo, Yalimo Elelim, Yalimo Angguruk, Baliem Selatan, Mamberamo und Apawer.
Die Verbundenheit mit Deutschland ist überall sehr spürbar, besonders im Hochland und am Mamberano. Häuser werden in Deutschlandfarben gestrichen und die traditionellen Transportnetze – Noken genannt – sieht man oft in schwarz-rot-gold.
Unsere Reise war auch eine Abschiedstour von Pfr. Thomas Bracht, unserem langjährigen Koordinator der Partnerschaft, der zuvor bereits fünfmal in West-Papua gewesen war und der im August in den Ruhestand geht. Wie es dann mit der Partnerschaftsarbeit weitergeht, ist in Zeiten geringer werdender Mittel leider noch nicht klar. Das mussten wir auch während der Reise mehrmals ansprechen.
Begleitet wurden wir in den zwei Wochen von Natan Pahabol, dem Partnerschafts-Koordinator vor Ort, Donaltus Rumbesu, Mitarbeiter in der Ökumene-Abteilung der GKI-TP und unser Übersetzer und einigen weiteren Mitgliedern von GKI-TP und VEM. Alle haben sich unendlich viel Zeit für uns genommen und uns perfekt unterstützt. An dieser Stelle noch einmal einen ganz herzlichen Dank dafür!
Die Partnerschaft ruht auf drei Säulen, wie Thomas Bracht in Papua immer wieder betont hat:
- Wir denken aneinander und beten füreinander, z.B. am jährlichen Partnerschaftssonntag
- Wir besuchen einander, z.B. auch im Rahmen von Jugendaustauschen
- Unsere „Stiftung für Ausbildung in Papua“ vergibt Stipendien für Studenten in Papua und finanziert die Ausbildung lokaler Hilfslehrer, Evangelisten (Hilfspredigern für Dörfer, die keinen Pfarrer haben) und informelle Ausbildungsprogramme.
Am beeindruckendsten war für uns während der ganzen Reise, mit welcher Freundlichkeit und Warmherzigkeit wir überall aufgenommen wurden. Die Menschen haben sich ehrlich und herzlich gefreut, dass wir da waren, dass wir vom anderen Ende der Welt kommen und uns für sie interessieren. Wir haben im Verlauf der zwei Wochen Tausende Hände geschüttelt und ebenso viele wildfremde Menschen umarmt. Jeder wollte Fotos mit uns machen, Selfies und Gruppenfotos in allen möglichen Kombinationen. Überall wurden wir von vielen Menschen teils mit Gesang und Tanz begrüßt und mit Federkronen, Noken, typischen Batikstoffen oder Ketten beschenkt.
Unsere erste Station in den Partnerkirchenkreisen war Angguruk im Hochland. Man kann das Dorf nur mit kleinen Flugzeugen erreichen, und auch nur, wenn keine Wolken stören. Wir haben uns dort mit der Kirchenkreisleitung, den Evangelisten und Hilfslehrern getroffen. Auch Krankenstation und Schulen haben wir besucht. Die Klinik ist in staatlicher Verwaltung, aber in einem recht desolaten Zustand. Es gibt kaum Medikamente und die wenigen vorhandenen können mangels Elektrizität nicht gekühlt werden.
Das Problem der Schulen ist, dass die staatlichen Lehrer wenig Interesse haben, in abgelegene Orte im Hochland zu gehen, und dass sie oft nur Indonesisch und nicht die lokale Sprache, hier Yali, sprechen. Das bedeutet: Die Kinder der ersten Klasse bekommen Unterricht in einer fremden Sprache und verstehen erst mal nichts! Hier kann unser Hilfslehrerprogramm unterstützen. Die sogenannten „guru bantu lokal“ unterstützen die staatlichen Lehrer oder ersetzen sie ggf. auch. Sie können einen Basis-Unterricht in der lokalen Sprache abhalten und betreuen Alphabetisierungsprogramme für Erwachsene. Wie gut und erfolgreich dieser Unterricht ist, ist zwar schwer zu beurteilen, die Kinder sind aber sehr engagiert und es scheint ihnen bewusst zu sein, dass Schule die Voraussetzung für persönliche Entwicklung, Bildung und ein sorgenfreieres Leben ist. Wir denken auch, dass darüber hinaus Bildung Grundvoraussetzung für politische Teilhabe und Demokratie ist.
Anfang des Jahres hat es in Angguruk einen Erdrutsch gegeben. Als kleinen Beitrag dazu, die Hänge zu befestigen, durften wir zwei Bäume pflanzen.
Wamena, unsere nächste Station, ist eine Distrikts- und seit kurzem sogar eine Provinzhauptstadt (der neugebildeten Provinz "Papua Pengungngan") im Hochland, auch wenn die Einwohnerzahl nur etwas höher liegt als die von Sprockhövel. Dort haben wir uns mit den Leitungen der Kirchenkreise Baliem Yalimo und Baliem Selatan getroffen.
Am 21. April hat Thomas Bracht die Predigt im zweiten Gottesdienst in der Bethlehem-Kirche in Wamena vor mehr als 600 Besuchern (!) gehalten.
Zurück an der Küste haben wir das schwimmende Dorf Yoboi auf dem Sentanisee besucht. Thomas Bracht hat dort vor vielen Jahren seinen ersten Gottesdienst in Papua gehalten.
Anschließend ging es dann für zwei Tage nach Kasonaweja, Burmeso und Trimuris am Mamberamo, einem weitgehend unberührten Urwaldfluss, etwa so breit wie der Rhein. Wir wurden in Kasonaweja wieder von der Kirchenkreisleitung empfangen. Inzwischen hatten wir alle vier Routine darin, uns in einem Indonesisch-Englisch-Gemisch vorzustellen.
Die Gemeinde in Burmeso hatte zu unserer Begrüßung ein großes Plakat mit einem Bild von uns drucken lassen, wieder ein Beispiel für die Mühe, die man sich für uns gemacht hat! Wir haben in Burmeso auch einige prächtige Gebäude der staatlichen Lokalverwaltung besichtigt – weitab von den Menschen, mitten im Urwald und alle komplett leer und schon recht heruntergekommen. Mit dem Geld hätte man besser Schulen und Krankenhäuser gebaut!
Auch in Trimuris wurden wir aufwendig begrüßt, mit traditionellem Tanz, Federkronen und Betelnuss-Ketten. Dort hatte Thomas Bracht vor 18 Jahren über 40 Kinder getauft, einige davon waren jetzt auch als Erwachsene da und freuten sich über das Wiedersehen.
Wir wurden während der gesamten Reise oft spontan eingeladen. Immer gab es weitere interessante Gäste, reichhaltiges Essen und Gelegenheit zu guten Gesprächen über die schwierige politische Situation in Papua. Wir waren immer wieder begeistert über so viel spontane Herzlichkeit und Gastfreundschaft.
Es gibt in Papua große Unterschiede zwischen den Gemeinden. Es gibt sehr reiche Gemeinden wie z.B. die Bethlehem-Gemeinde in Wamena, aber auch arme Gemeinden wie im Hochland. Die Kirchen finanzieren sich ausschließlich über Spenden. Generell ist in West-Papua das Vertrauen gegenüber der indonesischen Regierung nicht groß. Die Kirchen genießen demgegenüber ein sehr großes Vertrauen und Ansehen. Dort wo der Staat seine Pflichten nicht erfüllt, springen die Kirchen ein. Wir unterstützen dies im Rahmen der Partnerschaft. Darüber hinaus wird auch die Aufmerksamkeit für Papua und unsere Verbundenheit mit den Menschen dort als wertvoll wahrgenommen.
Rassistische Übergriffe gegen papuanische Studenten
Bei der Ankunft in Düsseldorf hingen die jungen Papua, die an der letzten Jugendbegegnung teilgenommen haben, an ihren Handys. Schon unterwegs hatten sie von den rassistischen Übergriffen in einigen Städten auf der Insel Java gehört. „Ihr Affen, ihr Schweine, ihr Hunde, kommt raus, wir schlagen euch tot“. Indonesier hatten sich vor den Studenten-heimen der Papua zusammengerottet und ihnen diese beleidigenden Sätze zugerufen. Einige extrem nationalistische Leute hatten zuvor bewusst Papuastuden-ten*innen beschuldigt, am Nationalfeiertag die indonesische Flagge beschädigt zu haben. Die Nachricht verbreitete sich sofort überall in Papua und im Ausland. „Können wir in dieser Situation überhaupt zurückkehren?“ fragten sich unsere jungen Gäste ängstlich.
Antirassistische Demonstrationen
Sofort demonstrierten tausende in Westpapua gegen den Rassismus. Die meisten Demos verliefen friedlich. Allerdings gab es Sachbeschädigungen: Autos und Motorräder wurden angezündet. ebenso einige Regierungsgebäude. Doch völlig unakzeptabel für die Regierung waren die Forderungen nach Unabhängigkeit – los von Indonesien. Die Papua kämpften um ihre Würde. „Wenn wir schon Affen sind, dann wollen wir auch unsern eigenen Affenstaat!“ schrieb uns eine Freundin.
Gewaltsames Eingreifen der Sicherheitskräfte
Die Regierung sandte tausenden Truppen nach Westpapua. Zivile Milizen wurden ermutigt und bewaffnet, um gegen die Papuas vorzugehen. Mindestens 59 Personen wurden getötet. Hunderte von Demonstranten wurden verhaften. Gegen die Führer der Demos wurde ermittelt und zurzeit stehen viele vor Gericht. Für die Forderung nach Unabhängigkeit kann bis zu lebenslängliche Haft verhängt werden.
Jugendbegegnung 2019
Einige Stimmen der Gäste aus Westpapua:„Wir haben viel gelernt“, „Warum muss man in Deutschland immer so pünktlich sein?“
Diese beiden Äußerungen von papua-nischen jungen Erwachsenen nach der Jugendbegegnung im August / September 2019 (siehe oben) zeigen einige typische Eindrücke, die unsere Gäste mit nach Hause genommen haben. Sie zeigen auch, dass es anstrengend war, vor allem für die deutschen jungen Erwachsenen. Sie haben die Gäste drei Wochen lange begleitet. Ihnen verdanken wir, dass alle geplanten Veranstaltungen gut durchgeführt werden konnten – und danken hiermit noch einmal ganz herzlich. Weitere Eindrücke: „Ich bin sehr zufrieden!“ – „Wir haben die kulturellen Unterschiede deutlich wahrgenommen.“ – „Deutschland ist ein sauberes Land.“ – „Es gab Gutes und weniger Gutes“.
Papua Partnerschaftsseminar
vom 30.01. - 01.02.2015 trafen sich in Rockenhausen in der Pfalz 75 Papuainteressierte zum jährlichen Papua Partnerschaftsseminar. Daran beteiligten sich 11 Papua, die in Deutschland studieren und Sofia Poppy Maipauw als Gast aus Papua. Frau Maipauw war lange für das Frauenbildungszentrum P3W in Papua zuständig und wurde später ins Provinzparlament in Papua gewählt. Sie berichtete von den neuen Anforderungen an und Formen von Familien in Papua, die durch die sich schnell verändernde Situation in Papua entstehen.
Veränderungen von Familien und Lebensformen in Deutschland und in Papua war das Thema der Veranstaltung. Dabei wurden die Aspekte neuer Familienformen, homosexueller Paare und Eltern, die sich wandelnden Rollen von Frauen und Männern und Eltern-Kind Beziehungen diskutiert. Mirjam Korse aus den Niederlanden stellte Gemälde von Papuafrauen und deren Geschichten vor. Marion Struck-Garbe berichtete von Ihren Recherchen zur zeitgenössischen Musikkultur in Papua. Fachreferenten der ev. Landeskirche der Pfalz erklärten die sich verändernden Familienstrukturen in Deutschland. Frau Maipauw stellte die neue Kinodokumentation Tanah Mama zum Lebensalltag von Papuafrauen im Hochland vor.
Das nächste Papua Partnerschaftsseminar ist für den 29.-31.01.2016 geplant.
(N. Voss, Westpapua Netzwerk)
Von Bildung und Brücken, Wegen und Wandel
Über 600 Stipendien hat der Kirchenkreis bereits für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende in Papua finanziert. Der Dank an die Stifter, Spender und Unterstützer dieses und anderer Bildungsprojekte in Indonesien stand im Vordergrund des "Stiftertages", der am Abend des 21. Februar in Gevelsberg-Berge stattfand. Die Bildungssituation in den peripheren Räumen der Provinz wurde aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.
Am Ende der Veranstaltung stand ein Abschied: Nach acht Jahren als Vorsitzender der Stiftung "Ausbildung für Papua" gibt Dr. Klaus Solmecke seinen Platz im Stiftungsrat auf. Auch Dr. Astrid Seckelmann verzichtete darauf, sich wieder zu Wahl zur stellen. Beide wurden von Superintendent Hans Schmitt mit Verweis auf die Erfolge ihrer langjährigen Tätigkeit verabschiedet.
Neubesetzung des Stiftungsrates
Seit Jahresbeginn 2014 ist der Stiftungsrat neu besetzt. Die z. T. alten und z. T. neuen Mitglieder sind: Superintendent Hans Schmitt (Vorsitzender), Dr. Siegfried Zöllner (Geschäftsführer), Dieter Bieler-Giesen (Kassenwart), Friedrich Tometten, Steffanie Krah-van Reth, Thomas Bracht.
Future to Go: Die Zukunft von Papuas Jugend als Thema beim Partnerschaftsseminar
Vom 24. bis zum 26. Januar 2014 fand in Gevelsberg-Silschede das jährliche Partnerschaftsseminar des „West Papua Netzwerk“ statt. Das Thema der Tagung lautete: "Future to go? Vom Leben und Hoffen der jungen Generation in Papua".
Unter den fast 90 Tagungsteilnehmerinnen und –teilnehmern waren auch 19 junge Papuas, die in Deutschland studieren. „Auf jeden Fall waren die Kurzvorträge der jungen Papua-Studenten, die Begegnung mit ihnen und die Tänze und die Lieder der Höhepunkt der Tagung“, erzählt Dr. Siegfried Zöllner aus Schwelm, der das Netzwerk 1996 mit gegründet hat und der dem Beirat vorsitzt, der das Netzwerk leitet. Die jungen Papuas, die in Deutschland studieren, brachten ihre authentischen Erfahrungen ein und berichteten von der Perspektivlosigkeit vieler Jugendlicher und wie HIV & Aids das Leben der Menschen und das soziale Gefüge im Land zerstört.
„Womit sollen sie sich identifizieren, wo ist ihr Platz in der multikulturellen Gesellschaft ihrer Heimat? Was ist ihre Zukunft angesichts verweigerter politischer Entwicklung, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten und Gewaltexzesse staatlicher Organe brutaler werden?“ – waren Fragen, mit denen sich das Plenum beschäftigte.
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"Wir weinten und lachten zusammen"
Reisebericht über die Jugendbegegnung der Kirchenkreise Schwelm, Baliem, Yalimo und Mamberamo vom 29.07 bis 30.08.2013
Zehn junge Menschen verabschieden sich von ihren Familienmitgliedern. Vereinzelt fließen Tränen.
Es sind Tränen des Abschieds, denn einige Eltern schicken ihre Kinder auf eine vierwöchige Reise ins Ungewisse.
Zehn Jugendliche steigen in den Zug, die vielleicht als Erwachsene zurück kehren werden.
Zehn Individuen mit den unterschiedlichsten Träumen, Vorstellungen und Ansprüchen an diese Reise. Das große Gepäck beinhaltet die verschiedensten Dinge: von Mückenschutzspray über Reisemedizin bis hin zu biologisch abbaubarem Waschmittel, doch auch Neugier, Angst, bis hin zu Sprachbarriere ist alles dabei... bei dem einem mehr, dem andren weniger.
Passionszeit in Papua
Gedanken von Siegfried Zöllner bei seinem Besuch im März 2013
Wir fahren mit einem Freund durch Jayapura. Der Chauffeur unseres Taxis muss sich konzentrieren, recht und links werden wir von lärmenden Motorrädern überholt. Von Monat zu Monat wächst der Straßenverkehr. Jayapura ist die Provinzhauptstadt Papuas. Vor fünfzig Jahren lebten hier fast nur Papuas, Christen. Jetzt ist die Stadt kaum noch von anderen indonesischen Städten zu unterscheiden. 80% der Bevölkerung sind Indonesier, Zuwanderer. Einige sind hier schon geboren, andere leben erst seit einigen Monaten hier, sind von anderen indonesischen Inseln gekommen, um Arbeit zu suchen. Sie sind Muslime. Auf unserer Fahrt durch die Stadt sehen wir drei oder vier Bausstellen, wo Moscheen errichtet werden. Plötzlich sehe ich ein großes Kreuz am Straßenrand, daneben Bilder, offenbar biblische Motive.
Fortsetzung des Hilfslehrerprogrammes
Mittlerweile konnten fünf Hilfslehrer für Dorfschulen didaktisch weitergebildet werden. Sie sind im Bezirk Yalimo tätig und sollen mindestens bis Ende 2014 von der Stiftung "Ausbildung für Papua" weiter finanziert werden. Es handelt sich um ein von der Papua-Kirche getragenes Programm, bei dem Grundschulen, die unter Lehrermangel leiden, zusätzliches Personal erhalten. Diese Hilfslehrer werden vor Arbeitsantritt fachlich und didaktisch geschult, so dass sie den Unterricht qualifiziert übernehmen können.
Trödelmarkt mit guten Erlösen für die Bildungsarbeit in Papua
Mittlerweile hat er schon Tradition: Der Trödelmarkt der Stiftung "Ausbildung für Papua" im Zentrum für Kirche und Kultur in Gevelsberg. Wie immer war der Andrang auch am 10. November 2012 groß und die Trödelgegenstände genauso wie Waffeln und warme Mahlzeiten fanden zahlreiche Abnehmer.
Aller Trödler, die dort Waren anbieten, verpflichten sich, einen Teil Ihres Gewinns für die Bildungsarbeit in Papua zur Verfügung zu stellen - die meisten jedoch spenden gleich ihren gesamten Erlös. Damit tragen sie wesentlich zur Förderung der Alphabetisierung, der Grundschulbildung und der Studienmöglichkeiten von Papuas bei.
Alphabetierungsprogramm geht in die dritte Runde
Auch die zweite Phase des Programmes, indem vor allem Bewohnern entlegener Dörfer Lesen und Schreiben beigebracht wird, ist erfolgreich abgeschlossen.
Mit Unterstützung des Landes NRW konnten zwischen April 2011 und März 2012 Kurse in 26 Dörfern durchgeführt werden. Ca. 7700 Bücher in der Yali-Sprache wurden gedruckt. Im Durchschnitt nahmen 50 Personen pro Dorf teil. Der Unterricht fand in der Regel zwei- bis dreimal pro Woche statt. Der Erfolg des Programms spiegelt sich im Absatz der Bücher und in der Tatsache, dass einige Kinder, die an den Alphabetisierungskursen teilnahmen, auf reguläre Schulen wechseln konnten wider.
Auch wenn die externe finanzielle Förderung nun fehlt, möchte Natan Pahabol das erfolgreiche Programm fortsetzen. Geplant ist die Ausweitung auf weitere Dörfer. Angedacht ist zudem die Herausgabe eines Lesebuches für Kinder. Unterstützend kann in Zukunft auch mit einem Kinderliederbuch sowie Kinderbibeln gearbeitet werden.
Neue Mitglieder im Stiftungsrat
Seit September 2012 hat der Stiftungsrat der Stiftung "Ausbildung für Papua" vier neue Mitglieder: Superintendent Hans Schmitt übernimmt die Position des nun pensionierten Manfred Berger. Dieter Bieler-Giesen ist der neue Kassenwart, nachdem Fritz Werth aus privaten Gründen ausscheiden musste. Zudem wurden als Mitglieder mit beratender Stimme Pfarrer i. R. Klaus Reuther sowie Steffanie Krah aufgenommen.
Alphabetisierungsprogramm erfolgreich angelaufen
Nach einer Probephase im Jahr 2010 konnte auf Initiative von Nathan Pahabol und mit finanzieller Unterstützung der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) NRW das Programm zur Alphabetisierung der Dorfbevölkerung im Gebiet Yalimo im Jahr 2011 erfolgreich auf breitere Füße gestellt werden. Im Herbst fand eine erste Schulung für Tutorinnen und Tutoren statt, die seither in den Dörfern mehrere Stunden Unterricht pro Woche erteilen.
Diese Unterricht ist bei Kindern und Erwachsenen vergleichsweise erfolgreich, weil die Tutoren mit yalisprachigen Fibeln arbeiten - anders als die staatlichen Schulen, deren Unterrichtsmaterial ausschließlich in indonesischer Sprache zur Verfügung steht, was den Alphabetisierungserfolg deutlich verlangsamt.
Ein Ausbildungszentrum für Mädchen in Wamena
Das Frauenbildungszentrum der ev. Kirche von Papua eröffnet ein Heim für Schülerinnen in Wamena. Immer mehr Mädchen aus entlegenen Dörfern des Hochlandes wollen die gymnasiale Oberstufe besuchen. Das ist nur in der Kreisstadt möglich. Bisher mangelt es an Unterbringungsmöglichkeiten, während junge Männer sich auf gemietetem Land Grashütten bauen und ihr Brot mit Hilfsarbeiten, z.B. dem Fahren einer Fahrradrikscha verdienen. Für Mädchen ist das schwierig. Unsere Stiftung unterstützt das geplante Ausbildungszentrum für Mädchen.
Fünf Dorfschullehrer haben ihre Arbeit aufgenommen
Von September bis Dezember 2011 wurden in Wamena fünf Yali zu Hilfslehrern ausgebildet. Sie sind inzwischen in fünf entlegenen Dörfern, jeweils einige Stunden Fußmarsch von Angguruk entfernt, eingesetzt worden. Sie sollen in diesen Dörfern, in denen es keine regulären Schulen gibt, Kindern und Erwachsenen ein Grundwissen in Lesen, Schreiben und Rechnen vermitteln. Die Stiftung für Ausbildung in Papua hat dieses kirchliche Programm finanziell unterstützt.
Papua-Studenten in Deutschland
Immer mehr Papuas studieren in Deutschland. Im Oktober 2011 hatte Schwelm Besuch von vier Studenten/innen, die in Leipzig studieren. Sie kommen entweder auf eigene Kosten oder im Rahmen eines indonesischen Regierungsprogramms nach Deutschland.
Festakt für Friedensbotschaft
Vor 50 Jahren nahm Ehepaar Zöllner seine Missionstätigkeit in Papua auf
Es war der Kirchenpräsident des damaligen West-Papua selbst, der die deutsche "Rheinische Mission" (heute: "Vereinte Evangelische Mission") darum bat, Missionare in die Region Balim-Yalimo zu entsenden. So kam es 1961 zur Einreise der beiden Pfarrer Paul-Gerhard Aring und Siegfried Zöllner sowie des niedländischens Artzes Wim Vriend ins Hochland der Insel Neuguinea. Nachdem sie anfängliche Hürden überwunden hatten, kamen ihre Frauen nach und arbeiteten mit ihnen daran, nicht nur das Christentum zu verbreiten, sondern auch die Bildungs- und Gesundheitssituation der Bevölkerung zu verbessern.
In diesem Jahr liegt der Beginn ihrer Arbeit dort 50 Jahre zurück und Deutsche wie Indonesier erinnern sich gerne daran. Für die Bewohner der Dörfer in Papua bedeutete die Ausbreitung des Evangliums eine echte Friedensbotschaft. Durch die Hinwendung zum Christentum gelang es, die zuvor ihr Leben bestimmende und überschattende Blutrache zu beenden.
Für die Europäer stellte das Leben in Papua eine wahrhafte Herausforderung dar: Sie mussten nicht nur auf gewohnten Komfort verzichten, sondern vor allem die Yalisprache (und Indondesisch) erlernen, einen Flugplatz anlegen, ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen und kulturelle Grenzen überschreiten.
Im Mai findet in Papua ein großer Festakt zum Gedenken an den Beginn der Missionsarbeit statt, an dem der Schwelmer Pfarrer i. R. Siegfried Zöllner als Ehrengast teilnehmen wird.
Einen ausführlichen Bericht über die Anfänge der Missionsarbeit finden Sie hier.
Ärtztin und Landrat aus dem Partnerkirchenkreis
Bildungsbemühungen zeigen Erfolg
Dank der Unterstützung aus Schwelm gibt es seit wenigen Monaten sogar einen Landrat (Bupati) in der indonesischen Provinz West-Papua, der seine Ausbildung dem Evangelischen Kirchenkreis Schwelm mitzuverdanken hat. Diese frohe Botschaft verkündete Yemima Krey, Kirchenpräsidentin aus Papua am Montagabend bei dem Stifterfest der „Stiftung für Ausbildung in Papua“ im Haus Martfeld in Schwelm.
Was der Einsatz für die Ausbildung in Papua bewirken kann, zeigt auch der Fall der Ärztin Dr. Enny Kenangelam, die als bisher einzige yalisprachige Ärztin ausgebildet wurde und nun in einem Krankenhaus in der Minenstadt Timika arbeitet. „Vor allem behandele ich dort Malaria-, TBC und HIV/AIDS-Patienten“, so Dr. Kenangelam in Schwelm. „Viele Patienten kommen extra zu mir, da sie zu einer Ärztin mit Kraushaar mehr Vertrauen haben als zu den glatthaarigen zugewanderten Indonesiern“. In vielen Provinzen und Regionen fehlen Ärzte vollständig, so dass Patienten aus dem gesamten Land in die Klinik in Timika kommen müssen. Einen Teil ihrer Arbeit widmet die Ärztin ferner der Forschung an wirksamen Malaria- und AIDS-Mitteln .
Eine solche Arbeit ist immens wichtig, um das Überleben der etwa 300 indigenen Völker in West-Papua zu sichern – in einem Land, in dem bis heute eine hohe Kinder- und Müttersterblichkeit und eine mangelhafte Grundausbildung herrschen.
Dr. Klaus Solmecke erinnerte deshalb an die Herausforderungen in den nächsten Jahren, die nur durch weitere Unterstützung aus Schwelm möglich sein wird. Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2015 mindestens eine Person in jedem Haushalt im Partnerkirchenkreis Balim-Yalimo Lesen und Schreiben kann. Auch die Universitäts- und die Berufsausbildung sollen weiter verbessert und gestärkt werden, was ohne die Unterstützung aus Schwelm nicht möglich wäre.
Etwas 120 Gäste nahmen an der Festveranstaltung teil, mit der das 5-jährige Bestehen der Stiftung gefeiert und der Dank an alle Spender und Spenderinnen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgesprochen wurde.
Lesenlernen mit Alltagsgegenständen
Sieckermann-Stiftung finanziert Unterrichtsmaterial für Kirchenkreise in Papua
Analphabetentum ist eines der großen Entwicklungshindernisse in den Partnerkirchenkreisen Schwelms in Indonesien. Um dem entgegenzuwirken, hat die „Stiftung Ausbildung für Papua“ nun Unterrichtsmaterial in der Muttersprache der Bewohner neu aufgelegt. Der Druck dieser Fibeln wurde durch die „Dr. Hella und Dieter Siekermann Stiftung“ großzügig finanziert. Zum Dank dafür fand eine kleine Feierstunde am Stüting (Gevelsberg) statt, wo derzeit eine Gruppe von Studenten aus Papua zu Gast ist.
Im Rahmen dieser Feierstunde begründete der indonesische Lehrer Nathan Pahabol die Notwendigkeit des Drucks der Fibeln und berichtete von der Arbeit damit: Lesen zu lernen ist in den peripheren Regionen Indonesiens nicht so einfach. Die staatlichen Schulbücher sind in indonesischer Sprache erstellt, einer Sprache, die für viele Einwohner nicht die Muttersprache ist. Im Kirchenkreis Yalimo z. B. wird Yali gesprochen. Das hat Ilse und Siegfried Zöllner, die 13 Jahre lang als Theologen und Lehrer im Bergland Papuas tätig waren, schon Anfang der 1970er Jahre dazu veranlasst, Unterrichtsmaterial in der Yali-Sprache zu erstellen. Bis heute ist die Arbeit mit diesen Büchern, in denen nicht nur die Sprache der Menschen, sondern auch ihr Alltagsleben, ihre Pflanzen, Tiere und Gegenstände aufgegriffen werden, sehr viel erfolgreicher als die mit den indonesischen Büchern. Kinder und Erwachsene lernen in der Regel schon innerhalb weniger Monate lesen und schreiben – was in den staatlichen Schulen oftmals erst nach mehreren Jahren gelingt.
Begrüßung der Gäste aus Papua
Nach monatelanger Vorbereitung war es endlich soweit: Die Studentengruppe aus West Papua kam am Samstag, 7.8.2010, endlich in Deutschland an. Vor dem CVJM-Heim am Stüting in Gevelsberg wurden sie feierlich von vielen Gemeindegliedern aus dem Evangelischen Kirchenkreis Schwelm begrüßt. Der Posaunechor spielt, die Kantorei sang, es wurde geredet, gegessen und schließlich auch schon Ball gespielt.
Die Begegnung zwischen jungen Erwachsenen aus Indonesien und Deutschland dauert vier Wochen. An dieser Stelle wird noch ausführlicher darüber berichtet werden. Aktuelle Informationen sind zudem im "Papua Blog" abrufbar unter http//schwelm-papua.tumblr.com
Gemeindeleitung und Solarlampen
Pfarrer Klaus Reuter für vier Monate in Westpapua
Seit dem 22. April 2010 ist Pfarrer i. R. Klaus Reuter für vier Monate in Westpapua unterwegs. Reuter, der früher schon mehrere Jahre als Missionar in beiden Kirchenkreisen tätig war, verfolgt diesmal vor allem zwei Ziele: Zum einen wird er Forbildungen für Gemeindeleiter anbieten. Zum anderen befasst er sich mit einem Solarlampenprojekt. Unter seiner Leitung wurden schon vor einigen Jahren Solarlampen in Abepura produziert und sowohl im Bergland als auch in den Fluss- und Küstenebenen vielfach eingesetzt. Nun möchte er die weitere Produktion und Instandhaltung der Lampen voranbringen. Klaus Reuter, der gelernter Elektriker ist, wird sich um die Ausstattung der zugehörigen Werkstatt und die Ausbildung der Handwerker bemühen.
Bildungsarbeit in der Region Gilika (Kilika): Kaum Schulen, viele Analphabeten
In der Zeit vom 22.3. bis zum 6.4.2010 hat der der Stiftung verbundene Lehrer Natan Pahabol die Region Gilika besucht – ein Gebiet, das etwa 15 Flugminuten nördlich von Angguruk, in der Nähe des oberen Mamberamo, liegt. Dort gibt es acht Gemeinden mit insgesamt knapp 500 Gemeindegliedern (Gemeindegliederzahl zwischen 50 und 120 Personen).
Natan Pahabol fand dort nur 37 Personen vor, die lesen können. Eine Schule vor Ort gibt es nicht. Schulkinder müssen nach Welarek, das einen Tagesmarsch entfernt liegt, in die Schule gehen.
Die Gemeinden wissen nichts über irgendwelche Entwicklungen des Kirchenkreises oder der Landeskirche Westpapuas (GKI). Seit 2002 hat es von dieser Seite keinen Besuch des Kirchenkreises gegeben und deshalb seit 8 Jahren auch keine Taufe, Konfirmation, Trauung, Kursus oder sonstige Information. Die Evangelisten sind alle seit über 20 Jahren vor Ort und möchten z.T. wenigstens einmal versetzt werden. Zwei Kirchengebäude sind praktisch nicht genutzt, weil die Dörfer z.T. halbnomadisch leben, also wegen Nahrungssuche weggezogen sind. Es gibt kein Krankenstation und keinen Krankenpfleger.
Natan Pahabol hat in Gilika vom 24. bis 26. März für 35 Teilnehmer einen Kurs durchgeführt, in dem es um theologische und praktische Fragen der Gemeindearbeit ging. Außerdem hat er die von Siegfried Zöllner entwickelten Fibeln verteilt, mit deren Hilfe auch Erwachsenen in ihrer Muttersprache Lesen und Schreiben beigebracht werden kann. Um diesen Unterricht in Gang zu bringen, hat er Hilfslehrer in der Unterrichtsmethode geschult.
Wiederwahl des Stiftungsrates
Auf der Frühjahressynode des Kirchenkreises wurde Stiftungsrat in seiner Arbeit bestätigt und alle Mitglieder wurden wiederberufen: Dr. Klaus Solmecke (Vorsitz), Dr. Siegfried Zöllner (Geschäftsführung), Fritz Werth (Finanzen), Superintendent Manfred Berge, Pfarrer Thomas Bracht, Dr. Astrid Seckelmann.
