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„Heutzutage kann man niemandem mehr trauen“

Der dritte Artikel des sogenannten rheinischen Grundgesetzes lautet: „Et hätt noch emmer jot jejange“ (hochdeutsch: „Es ist noch immer gut gegangen“)

Aus diesen Worten spricht eine tiefe Gelassenheit und ein tiefes Vertrauen in das Leben, ein offensichtlich unerschütterliches Grundvertrauen.
Der Soziologe Hartmut Rosa konstatiert in seinem vor kurzem erschienenen Buch „Situation und Konstellation“, dass unsere Zeit unter anderem daran krankt, dass vielen Menschen das Grundvertrauen in das Leben abhandengekommen ist. Stattdessen hat sich das Gefühl „Du kannst niemandem mehr trauen“ breit gemacht. Diesen und ähnliche Sätze habe ich tatsächlich in den letzten Jahren immer wieder und immer öfter gehört.


Wir versuchen uns immer mehr abzusichern gegen alle möglichen Gefahren, die es gibt oder geben könnte. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, weil auf dem Weg ja „etwas passieren könnte“; Auf immer mehr Plätzen wird Überwachungstechnik installiert, damit wir uns „etwas sicherer fühlen“; Die Smartwatch protokolliert viele unserer Körperfunktionen, damit wir auch ja rechtzeitig reagieren, wenn der Puls oder die Sauerstoffsättigung im Blut ungewöhnliche Werte zeigen. Die Beispiele ließen sich problemlos erweitern. Aber was passiert eigentlich mit uns, wenn wir das Vertrauen in das Leben verlieren? Sind wir dann überhaupt noch frei genug, um uns am Leben zu freuen? Können wir noch unbefangen und zuversichtlich unsere Tage verbringen?


„Vertrauen ist der Anfang von allem“, so lautete vor einigen Jahren einmal ein Werbeslogan der Deutschen Bank. Hartmut Rosa zeigt auf, dass wir Menschen ein grundlegendes Vertrauen ins Leben zum Leben brauchen. Grundvertrauen, so notiert wikipedia ist die „Einwilligung, sich zum Überwinden eines Risikos oder einer Unsicherheit einer haltgebenden Instanz zu überlassen“.


Für mich und viele glaubende Menschen nährt sich das Grundvertrauen in das Leben aus dem Vertrauen in Gott als der „haltgebenden Instanz“. Das Grundvertrauen ist Gottvertrauen. Das Osterfest als Erinnerung an die Auferweckung Jesu ist dabei die Initialzündung, der Ursprung des „Et hätt noch emmer jot jejange“. Nicht Leiden, Sterben, Tod, Angst und Hoffnungslosigkeit bestimmen das Leben, sondern deren Überwindung durch das Handeln Gottes. Das Leben siegt. Hoffnung und Vertrauen in das Leben haben eine tragfähige Grundlage. Jesus Christus spricht: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ (Joh 14,19). „Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.“ (Evgl. Gesangbuch 395,3) Frohe Ostern.