Wie viele Dinge es im Auto gibt, die man vorher gar nicht richtig wahrgenommen hat. Genau daran musste ich in dieser Woche denken, denn was war das für eine dunkle Woche. Draußen hingen die Wolken schwer am Himmel, trotz Wetterjacke kroch die feuchte Luft unangenehm kalt in jede Ritze und die Sonne schien sich in den Süden verabschiedet zu haben. Bei dem grau in grau konnte man schon fast trübsinnig werden.
Auf dem Weg zur Arbeit hat mich dann aber das Farbspiel der Bäume überrascht. Auch im trübsten Grau leuchten kleine Farbtupfer in Gelb, Orange und Rot. Meine Laune ist gleich gestiegen.
Wie eingeschränkt doch meine Wahrnehmung ist, denn die Tupfer habe ich erst bei der dritten Fahrt zur Arbeit gesehen und ich bin sicher, die sind nicht über Nacht entstanden.
Wir können uns prima selber täuschen. Wenn in einer Zahlenreihe von zehn Zahlen eine falsch ist, sehen wir das sofort. Mehr noch, wir sehen nur die falsche Zahl, dass da neun richtige Zahlen stehen, beachten wir gar nicht. Es scheint, als ob wir das Gute nicht sehen, das Schlechte aber umso deutlicher. Manchmal passiert uns das auch bei unseren Mitmenschen. Die Fehler und Macken merken wir sofort, die guten Seiten erst spät oder gar nicht. Vielleicht sollten wir öfter „Ich sehe was, was du nicht siehst“ spielen und damit unsere Wahrnehmung ändern.
Viele tolle „Ich sehe was, was du nicht siehst“-Momente wünscht Ihnen
Claudia Buskotte
